Tauben gegen das PiCV (Taubencircovirus) impfen?

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9 Antworten

  1. Lutz Wudtke sagt:

    Stellungnahme zum Beitrag betreffend das Gesundheitssymposium in Kassel von Herrn Dr.
    Oehm in der Geflügelzeitung. Ausgabe 14/2018

    Sehr erstaunt bin ich, welche Interpretationen hier in meinen Vortrag gelegt werden bzw. welche
    Schlussfolgerungen und Entwicklungen sich hieraus ergeben haben.

    Es ist richtig, dass ca. 90% aller Bestände, die am Jungtaubensyndrom leiden, mit Circoviren befallen
    sind. Entgegen der Interpretation von Herrn Dr. Oehm, habe ich dies jedoch nicht als Ursache beschrieben.

    Auch bin ich vollends anderer Auffassung als Herr Dr. Schingen in dem auf den Artikel folgenden Bericht, wonach die Circoimpfung von Schweinen das geeignete Mittel ist.
    Diesen Ansatz halte ich sogar für fahrlässig und habe dies auch während des Fachsymposiums versucht deutlich zu machen.

    Nicht allein durch den Circovirus-Befall kommt es zu einer Immuninkompetenz des Tieres während der gesamten Aufzuchtphase. Diese Inkompetenz wird bereits in der falschen Versorgung und
    Haltung der Elterntiere organisiert und zieht sich dann in der Folge weiterhin durch.
    Ein Immunsystem, welches nicht funktioniert hat Schwachstellen – diese Schwachstellen werden u.a. von Circoviren angesteuert. Dies ist auch die Ursache, warum prophylaktische Massnahmen zum Schutz vor Circoviren nur in Ausnahmefällen zum Erfolg führen werden – weil diese eben nicht Ursache des Problems sind, sondern nur dessen Nutznießer. Letztendlich bestätigt dies in Teilen sogar der Folgebeitrag von Herrn Dr. Schlingen.

    Der Einsatz des Schweineimpfstoffes gegen Circoviren erhöht unter Umständen sogar das Potenzial zur Resistenzbildung und verstärkt somit das Problem, nicht nur für die Taubenhalter, sondern explizit
    auch für die Schweinehalter. Herr Dr. Schingen – mit Verlaub – es ist völlig verantwortungslos, eine derartige Behauptung über den Erfolg einer solchen prophylaktischen Impfung in den Raum zu
    stellen und hier Hoffnung auf Erfolg aufkeimen zu lassen.
    Manchmal ist nicht immer der kommerzielle Hintergedanke der Pharmazeuten der Grund – sondern tatsächlich Nachhaltigkeit.
    Während wir es in Nutztierhaltungen mit gleichen Grundbedingungen zu tun haben, ist dies im Hobbytaubenbereich definitiv nicht so. Hier werden die Tiere nicht in einem annähernd homogenen System gehalten, sondern haben durch Ausstellungen und Züchter in direkter und indirekter Weise
    Kontakt mit der Umwelt. Zudem differieren die Haltungsbedingungen, weil die Züchter teils Freiflug, Offenfront-Schläge, Boxen-Haltung usw. in der Zucht nutzen. Mit einem Impfstoff zu experimentieren – ohne vorab genaue klinische Studien über die Resistenzfähigkeit der Viren zu machen, ist grob fahrlässig.

    Ich ziehe dahingehend für mich den Schluss, daß dies in folgenden Vorträgen besser zu fokussieren und offensiver zu erklären ist.

    Für mich ist auch verwunderlich, dass Herr Dr. Oehm – als Zusammenfassender der Fachvorträge – meine Ausführung, dass es sich beim Immunsystem des Vogels und dem Immunsystem des Säugetieres um differenzierte Abläufe handelt, nicht beachtet. Denn schon allein daraus ist zu
    schlussfolgern, dass der Einsatz des Impfstoffes definitiv in seiner Breitenwirkung für Vögel und Säugetiere nicht gleichzusetzen ist.

    Zusammenfassend und wiederholend: Die beste Vorbeugung gegen das Jungtaubensyndrom ist ein
    gutes Management in allen Punkten. Wasserversorgung, Fütterung, Haltungsbedingung,
    Ausstellungsverhalten, Zuchtzielsetzung. Es gibt hier genügend Erfolge unter den Züchtern. Der scheinbar kürzere Weg ist dann zu 90% der Falsche!

    Lutz Wudtke

  2. Persönlich teile ich die Ansichten von Herrn Wudtke und finde, dass man den Kommentar hätte nicht besser schreiben können. Leider überwiegt das probieren bei vielen unseren Taubenzüchter, ohne etwas über die Spätfolgen zu kennen. Unsere Haltungsbedingungen sollten so natürlich wie möglich und stressfrei sein.

  3. Klaus Hoechsmann sagt:

    Alles gut und schön, aber wer soll dem Taubenzüchter die klinischen Studien bereitstellen? Es wurde doch richtig festgestellt: wir haben keine Lobby und mit uns ist kein Geld zu verdienen. Deshalb sind wir Taubenzüchter darauf angewiesen uns selber zu helfen und nach Alternativen zu suchen. Erfahrungen müssen die Studien ersetzen. Mit klarem Wasser werden wir die Probleme nicht lösen!
    Und wenn dann, wie im Falle des Ansäuerns des Trinkwassers beim GEFLÜGEL, welches durch Studien, Versuchsreihen und millionenfachen Einsatz bestätigt ist, aus unerklärlichen Gründen in Frage gestellt wird, ist es für mich nicht nachvollziehbar.
    Klaus Höchsmann

    • Martin Gangkofner sagt:

      Werter Zuchtfreund Höchsmann, wer der Meinung ist, dass Ansäuern die Lösung des Problems sei, der soll das für sich so nutzen. Wie aber in verschiedenen Ausführungen zu dem Thema dargelegt, wird sich hier kein langfristiger Erfolg einstellen, weil es auch negative Einflüsse auf den Stoffwechsel hat. Noch schlimmer ist aber die Erkenntnis, dass annähernd keimfreies Trinkwasser letztendlich das Immunsystem entlastet und nicht fördert, wie in obigen Beiträgen dargelegt. Oder wie läst sich die nachlassende Nachfrage nach Mischungen mit organischen Säuren sonst erklären?
      Für mich bleibt die alles entscheidende Frage für sämtliches Tun und Handeln bei unseren Tauben: Ist mein Handeln für das aktive, leistungsfähige Immunsystem förderlich oder hinderlich?
      Eine Frage, die sich viele Züchter leider zu selten stellen, wie mir die Erfahrung zeigt.
      Martin Gangkofner

      • Klaus Hoechsmann sagt:

        Lieber Zuchtfreund Gangkofner, genau diese “verschiedenen Ausführungen” kann ich nicht unterstützen, denn es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse auf die sie sich berufen können. Es sind nur EIGENE MEINUNGEN, die ihren Ursprung in der Übersäuerungslüge aus der menschlichen Ernährung haben. “Sauer macht krank”, das hat doch noch fast jeder im Hinterkopf. Die “Übersäuerungslüge”, obwohl schon längst widerlegt, wird am Leben gehalten und ist immer noch ein gutes Geschäft. Da sind mir die Erkenntnisse aus Forschung und Praxis der Tierproduktion und meine eigenen, jahrelangen positiven Erfahrungen schon glaubhafter. Auch für die Schulung des Immunsystems bleiben bestimmt noch genügend Erreger übrig, denn unsere Tauben leben ja nicht im Labor.
        Mir tun die Züchter einfach leid, die durch solche “verschiedene Äußerungen” verunsichert werden.

        • Martin Gangkofner sagt:

          Werter Zuchtfreund Höchsmann,

          vielen Dank für die Darlegung Ihrer Ansichten bei diesem Thema; nun kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.
          Und wie bereits bei meinem Kommentar dargelegt, wer der Meinung ist, dass Ansäuern die Lösung des Problems sei, der soll das für sich so nutzen. Es ist bestimmt nicht mein Anspruch, ein funktionierendes System in Frage zu stellen. Aber lassen Sie mich noch einige Ausführungen machen, nicht um die Züchter noch mehr zu verunsichern, sondern um einfach aufzuklären.
          Wie bereits im Fachsymposium in Kassel dargelegt, ist eben Ansäuern des Trinkwassers ein sehr weiter Begriff. Wissenschaftlich korrekt, wäre die Nennung des angestrebten pH-Wertes.
          Wenn Sie also hiermit schon länger als 3 Jahre (mein Erfahrungswert) zurecht kommen, so kann es durchaus möglich sein, dass der pH-Wert des Trinkwassers in Ihrer Region sehr hoch (pH-Wert über 8) ist und Sie eigentlich nur eine NEUTRALISIERUNG erreichen; das wäre dann top. In Regionen mit einem pH Wert von 8 macht dies durchaus Sinn, weil die Tiere bei einem neutraleren pH-Wert (6,5 bis 7,5) mehr saufen; mit all den positiven Auswirkungen auf Futteraufnahme – dadurch mehr Vitamine und Mineralstoffe und letztendlich hierdurch eine bessere Reaktion im Immunsystem erreichen.
           Auswirkung auf Keime ? – KEINE !!!

          Achtung: Auch eine Ansäuerung auf einen pH-Wert unter 6,5 für wenige Tage kann vorbeugend durchaus sinnvoll sein, wenn sich im Bestand ein Infekt bemerkbar macht. Damit werden wiederum keine Keime vollends abgetötet, aber der Züchter verhindert deren schnelle Vermehrung.

          Um tatsächlich den annähernd keimfreien Status zu erreichen, muss der Züchter das Wasser seiner Tiere in den pH-Wert-Bereich 4 bringen. Das ist dann auch gleich der Ziel-pH-Wert und die offizielle Handlungsempfehlung der Hersteller, welche dieses „Ergänzungsfuttermittel“ für unsere Tiere anbieten.

          Nur genau dieser saure Bereich führt dann zu einer geringeren Wasseraufnahme, mit genau den gegenseitigen Folgen bei Futteraufnahme. Zudem werden dem Körper Mineralien entzogen (Angaben hierzu i.d.R. auf dem Prospekt oder Etikett des Herstellers), was dann leicht zu Mangelerscheinungen bzw. Stoffwechselerkrankungen führen kann. In der Folge kommt es dann relativ schnell zur Immunschwäche, welche wieder zum Jungtaubensyndrom führen kann.

          Wenn Sie mir jetzt noch ein Argument nennen können, wieso dies für ein funktionierendes Immunsystem dennoch förderlich sein soll, diskutiere ich nur zu gerne weiter.
          Man kann auch überlegen, ob hier nicht auch der Kommerz einiger Anbieter im Vordergrund steht. Denn diese gerne als naturnahe bezeichneten Produkte zur Ansäuerung sind maßlos überteuert und bringen dem Vertrieb hohe Margen. Für mich wird hier die Unwissenheit der konsumierenden Züchter schamlos ausgenutzt, was ich auch in meinen Vorträgen immer wieder zu veranschaulichen versuche.

          Wasser ist als Lebensmittel essentiell! Wenn die Tiere hierdurch mal einen Keim aufnehmen, dann sollte der Züchter diesen als Sparring-Partner für ein gesundes Immunsystem betrachten. Wenn man Wasser durch Zusätze „tötet“, ist es nur noch eine Flüssigkeit, die jedes Lebewesen schädigt.
          Wenngleich ich beim Tränkwasser meiner Tiere gerne natürliche Aromen beigebe, ist es dennoch nicht notwendig, Wasser – wie oben ausgeführt – gänzlich zu manipulieren. Das Wasser in den Taubentränken sollte dennoch täglich gewechselt werden und bei höheren Temperaturen (auch durch Tränkenwärmer) durchaus zweimal täglich. Noch ein Tipp! Bitte die Tränke nicht unbedingt am Rand oder in der Ecke und, wenn möglich, leicht erhöht platzieren. Ansonsten werden diese durch den aufgewirbelten Staub leichter verunreinigt. Auch wenn die Tränke einen festen Standort im Stall einnimmt, so sollte Tränkwasser natürlich im Schatten, nicht in der prallen Sonne angeboten werden.

          Martin Gangkofner

          • Klaus Hoechsmann sagt:

            Werter Zfrd. Gangkofner,
            diese Diskussion ist zu wichtig um sie abzubrechen. Vielleicht sollten wir sie aber im Forum weiterführen. Auf der Homepage des NL RTV
            http://www.niederlausitzer-rassetaubenverein.de/ im Menüpunkt Archiv ist unter Wissenswertes ein Vortrag „Vorbeuge von Trichomonadenbefall“ nachzulesen, der meine Argumentation zusammenfasst, ohne sie jetzt hier im Einzelnen nochmals anführen zu müssen. Der angestrebte pH-Wert ist 4,5, wo noch ein minimales mikrobielles Wachstum stattfindet. Wogegen dieses bei pH-Wert 7 am höchsten ist. Ich teile ihre Meinung über die Preisgestaltung einiger Anbieter. Es gibt genügend günstigere Angebote für die Tierproduktion. Wichtig ist mir auch die Feststellung: Unsere Tauben werden nie ohne Trichomonaden, Kokzidien und anderen Erregern leben, diese Bedingungen gibt es nur im Labor. Aber wir müssen sie in Schach halten, damit die Tauben damit besser fertig werden. Das Ansäuern des Trinkwassers ist ein probates Mittel dazu.

  4. Gregor Bextermöller sagt:

    Leider fehlen uns die wissenschaftlichen Studien, wie Zuchtfreund Höchsmann richtig bemerkt. Es wird auch in naher Zukunft keine für uns Züchter nützliche Studien geben. Für solche Ergebnisse wäre der Wissenschaftliche Geflügelhof grundsätzlich der richtige Ansprechpartner. Dafür müsste er entsprechend erweitert und ausgebaut werden. Der BDRG hingegen kürzt die Zuschüsse. Eine für mich total unverständliche Entscheidung. Scheinbar hat der WGH für den BDRG nur eine Alibifunktion! Ergebnisse der Brieftaubenklinik, so sie dann überhaupt ausreichend vorliegen, können nicht unbedingt 1:1 auf unsere Rassetauben übertragen werden. Z.Zt. gibt es leider noch kein Patentrezept um der so genannten “Jungtaubenkrankheit” bekämpfen zu können. Durch gewissenhafte Selektion, angemessene Platzverhältnisse, abwechslungsreiches Futter, entsprechende Impfungen und nicht zu viel Ausstellungsstress müssen wir versuchen unsere Tauben trotz stark veränderter Umweltbedingungen in die Zukunft zu bringen.

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