Aus dem Hörsaal in den Taubenschlag – Studierende der TiHo Hannover zu Gast bei den Wiener Hochfliegern
Wie sieht moderne Hobbyhaltung von Tauben in der Praxis aus? Welche Besonderheiten unterscheiden Brieftauben, Rassetauben und Hochflugtauben? Antworten auf diese und andere Fragen erhielten Studentinnen und Studenten sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Tierärztlichen Hochschule Hannover bei einem Züchterbesuch am 24. Juni bei Jürgen von Ramin.
Da er die drei Rassegruppen Brieftauben, Rassetauben und Wiener Hochflugtauben hält -wobei zwei davon sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO zählen-, bot sich den Gästen die seltene Gelegenheit, die unterschiedlichen Zuchtrichtungen unmittelbar am lebenden Tier kennenzulernen. Theorie und Praxis ergänzten sich dabei auf ideale Weise.
Ein besonderer Höhepunkt war der Freiflug seiner Wiener Hochflugtauben. Angesichts der außergewöhnlich hohen Außentemperaturen bei Enthalpiewerten von fast 70 kJ/kg am Besuchertag, wäre ein Auflass unter normalen Umständen kaum zu verantworten gewesen. Umso größer war die Überraschung, als die Tauben einen herausragenden Hochflug zeigten und bis in Punkthöhe aufstiegen. Mehrfach verloren die Studierenden den Schwarm aus den Augen – ein eindrucksvoller Beleg für die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit dieser traditionsreichen Hochflugrasse.
Für den Fall, dass die Wetterbedingungen keinen Flug zugelassen hätten, war bereits vorgesorgt. Im Haus war eine Leinwand aufgebaut, auf der Drohnenaufnahmen und kurze Filmsequenzen bereitstanden. Sie veranschaulichten den temperamentvollen und abwechslungsreichen Flugstil der Wiener Hochflugtauben und erklärten zugleich die Besonderheiten des Zuchtstammes von Jürgen von Ramin, der sich durch eine außergewöhnlich hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Greifvogelangriffen auszeichnet. Da die sommerliche Hitze ohnehin eine Abkühlung im Haus sinnvoll machte, wurden die vorbereiteten Filme zusätzlich gezeigt und ausführlich erläutert.
Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich der tierärztlichen Praxis. Am Beispiel einer Brieftaube erörterte der Gastgeber eine vollständige klinische Anamnese – von der Kontrolle auf Ektoparasiten über die Beurteilung der Atemwege bis hin zum Kropfabstrich mit anschließender mikroskopischer Untersuchung auf Trichomonaden. Ergänzend stellte von Ramin den Ablauf einer parasitologischen Kotuntersuchung vor und erläuterte deren Bedeutung für die Gesundheitsvorsorge in Taubenbeständen.
In der abschließenden Fragerunde entwickelte sich ein intensiver Austausch über Haltung, Ernährung, Zucht und Gesundheitsmanagement. Das Interesse und die fachlich fundierten Fragen der Studierenden machten deutlich, wie wertvoll der direkte Kontakt zur praktischen Taubenhaltung für die tierärztliche Ausbildung ist.
Gerade darin liegt heute eine besondere Bedeutung. Während bis in die 1990er Jahre hinein vielerorts Taubenzüchter zum vertrauten Ortsbild gehörten und zahlreiche Kinder über ihre Väter, Großväter oder Nachbarn früh Berührungspunkte mit der Taubenhaltung hatten, ist dieses Wissen durch den starken Rückgang der Züchter flächendeckend verloren gegangen. Umso wichtiger sind Exkursionen wie diese. Sie vermitteln Erfahrungen, die das Internet nicht ersetzen kann und schaffen Verständnis zum Thema Taubenhaltung.
Für von Ramin war es bereits das zweite Mal, eine Studierendengruppe der Tierärztlichen Hochschule Hannover begrüßen zu dürfen. Die durchweg positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Wissenschaft und praktischer Zucht sein kann.
Ein herzlicher Dank gilt außerdem Götz Ziaja, der die Veranstaltung erneut großzügig mit Werbematerial des VDT unterstützt hat. Die Informationsmaterialien und Giveaways konnten die Studierenden als Erinnerung an einen spannenden und lehrreichen Nachmittag mit nach Hause nehmen.


