Antwort auf: Bundes- und VDT-Zuchtausschuss stutzen

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In 40 Jahren Pommernkröpferzucht habe ich die ersten 20 Jahre auf allen HSS ausgestellt, die nächsten 20 Jahre war ich auf allen HSS als Preisrichter im Einsatz.
Dabei gab es alle paar Jahre Aussagen wie „Jahrhunderttäuber“, „Modelltäubin“ oder ähnliches. Manchmal genügte schon „der Blaue von Ketzinger“, „der Gehämmerte von Schulze“ oder „der Rote von Tonak“ und man hatte ein bestimmtes Bild von einem Ausnahmetier vor Augen. Das waren Idealtypen, mit dem man jedem Außenstehenden und jedem Neuling die Rasse-Idee vermitteln konnte. Dieses Idealbild konnten wir auf HSS in Bottrop, Erding, Ettlingen oder Vellmar leicht umsetzen, weil wir auf einer Linie waren. Aber diese Orte sind kaum noch als Schaustandort vorhanden, so dass auch unsere Rasse zwischen Kassel und Leipzig pendelt. Dort gelten aber nicht unsere Ideale, sondern es regiert der Wahnsinn:

– Seit Urzeiten werden verkrüppelte Zehen bei belatschten Rassen lt. AAB als hoffähig akzeptiert. Die Sondervereine sind da schon weiter in ihren Erkenntnissen. Wenn eine belatschte Taube in gewisser Weise schon gegenüber einer glattfüßigen unter erschwerten Bedingungen lebt, dann ist die Grundvoraussetzung dafür doch wohl der richtige Latschenaufbau (seitlich, nicht nach vorn) und eine korrekte Zehenstellung. Die AAB erlauben weiterhin Missbildungen.

– Seit 40 Jahren wartet die Basis darauf, dass die Übergangsregelung zur Schwanzfederzahl in eine endgültige, international tragfähige Lösung geführt wird.

– Seit 30 Jahren wird die Basis hinsichtlich der nebensächlichen Schwungfederzahl im Stich gelassen. Nun droht ein neues Bürokratiemonster im orangen Ordner – ich sehe rot!

– Solange ich denken kann, philosophieren vermeintliche Fachleute über die ideale Hämmerung und verwenden Begrifflichkeiten wie gleichmäßige Hämmerung, obwohl auf unterschiedlich großen Flügeldeckfedern nur unterschiedlich große Hämmerungsflecken möglich sind. Es gibt nur die allelen Flügelschildmerkmale c | + | CL | C | CD | CT. Durch die Paarigkeit der Merkmale kann jedes Tier sowohl reinerbig für eines dieser Merkmale sein oder auch mischerbig in jeder denkbaren Kombination (6 x 6 = 36 Kombinationsmöglichkeiten). Beim Pommerschen Kröpfern haben wir mit Ausnahme von c (für hohliges Flügelschild) alle Flügelzeichnungsmuster wie bindig, hellgehämmert, gehämmert, dunkelgehämmert und dunkel im Genpool der Rasse verankert. Bei schwarzer Grundfarbe (dazu gehört insbesondere die blaue Farbreihe) ist jedes Farbbild klar, rein und attraktiv, der Kontrast von blau (Farbe), schwarz (Zeichnungsmuster des Flügelschildes) und weiß (Scheckmuster) wirkt großartig. Darüber sind wir uns intern einig, extern sollen wir uns belehren lassen? Der Pommersche Kröpfer in den blauen Varianten war immer vital und lebensfroh, weil wir die Vielfalt begrüßt und gefördert haben und somit auch Degenerationen unbewusst vorgebeugt haben. Bei anderen Rassen wird mit Ausnahme der C+-Tiere (gehämmert, mischerbig zu bindig), die ein aufgelockertes Hämmerungsbild zeigen, jede andere Variante bemängelt und damit aussortiert.

Diese Art von Selektion führt zu einseitiger Auswahl nach einem engstirnigen Idealbild, die Vielfalt und damit auch die Krankheitsresistenz (Vitalität) werden vorsätzlich eingeschränkt. Unser vermeintliches Schönheitsideal entzieht uns die Zukunft, da durch Bekämpfung der Vielfalt die Erbgrundlagen zu eng werden und damit auch die Lebensgrundlagen. Wir sollten Falsches aussortieren und nicht falsch aussortieren.